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Cyž, Jan


        Dr., sorbischer Schri* steller, Verleger und Landrat in Bautzen
        auch: Ziesche, Johann
        13.01.1898 Säuritz – 21.11.1985 Bautzen
        Cyž stammte aus kleinbäuerlichen    Urania und Mitbegründer des Kul-
        Verhältnissen. Er besuchte in Bautzen   turbundes der DDR im Kreis Bautzen
        die Domschule und in Prag das Deut-  sowie erster Vorsitzender des Baut-
        sche Gymnasium. 1920 begann Cyž     zener Klubs der Intelligenz. Neben
        ein Studium der Rechtswissenscha* en  seinen vielen Schri* en in sorbischer
        an der Karls-Universität Prag. Im sel-  Sprache verfasste Cyž das Buch „Die
        ben Jahr übernahm er den Vorsitz der  Kämpfe um die Befreiung der Lausitz
        sorbischen Studentenbewegung. 1926   während der großen Schlacht um
        beendete er sein Studium mit der    Berlin 1945“, und er widmete mehrere
        Promotion und übernahm in Cottbus   Arbeiten der Biogra% e von Jan Arnošt
        die Leitung der Wendischen Buch-    Smoler, eines bedeutenden Repräsen-
        handlung. Nach der Machtergreifung   tanten der nationalen Wiedergeburt
        der Nationalsozialisten wurde Cyž   der Sorben im 19. Jahrhundert und
        wegen seines Engagements in der     Mitbegründer des sorbischen Kul-
        nationalsorbischen Bewegung verhaf-  tur- und Wissenscha* svereins Macica
        tet. Nach seiner Freilassung leitete er   Serbska. In Milkel wurde die Sorbi-
        von 1934 bis 1937 die Schmaler‘sche   sche Sprachschule nach Cyž benannt,
        Druckerei im Wendischen Haus in     die sich von 1953 bis zum Ende der
        Bautzen und gab die sorbische Ta-   DDR im dortigen Schloss befand. Das
        geszeitung „Serbske Nowiny“ heraus.   Sorbische Institut in Bautzen bewahrt
        Im selben Jahr wurde die Domowina   seinen Nachlass auf.
        verboten. Cyž kam erneut in Ha* ,
        im Februar 1945 # oh er während     Literatur: Peter Kunze: „Bibliographie der
                                            Verö+ entlichungen von Jan Cyž“. Institut für
        der Lu* angri+ e auf Dresden. Nach   Sorbische Volksforschung, Domowina-Verlag,
        dem Krieg wurde mit Cyž erstmals    1977, H. 2, S. 239–256; Walter Starke: „In memo-
        ein Sorbe Landrat in Bautzen. Er war   riam Dr. Jan Cyž-Ziesche: 13.1.1898–20.9.1985“.
        maßgeblich an der Neugründung der   Bautzener Kulturschau, 1985, H. 11, S. 3–4; M.J.
                                            Dypman-Budyski: „Nekrolog: Landrat Dr. Jan
        Domowina beteiligt, deren Bundes-   Cyž: 1898–1985“. Minoritas, 1986, H. 1, S. 51–52;
        vorstand er angehörte. Cyž leitete   Manfred Ladusch: „Cyž, Jan“. Sorben. Ein Kleines
        die Nowa-Doba-Druckerei und gab     Lexikon, Domowina-Verlag, 1989, S. 78–79;
                                            Manfred Ladusch: „Zum 100. Geburtstag von Dr.
        die sorbische Tageszeitung „Nowa    Johannes Ziesche, Sorbischer Verleger, Bautzens
        doba“ heraus. Er war Vorsitzender   Landrat und Schri* steller“. Oberlausitzer Kultur-
        des Kreisausschusses der Nationalen   schau, 1998, H. 2, S. 28–29; Helge Tietze: „Dr. jur.
                                            Jan Cyž: Johann Ziesche (1898–1985)“. Lausitzer
        Front, Mitglied des Vorstands der   Almanach, 2009, S. 16–21

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