Page 375 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
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„Ich möchte einen Kranich sehen.“ Unterdörfer beschrieb sein Bemühen,
die beeindruckenden Vögel zu beobachten. In den Jahren 2014 und 2015
waren sie regelmäßig in der Nähe von Unterdörfers ehemaligem Forsthaus
zu sehen, teilweise nur wenige hundert Meter entfernt.
Uhyst. 50 Jahre nach Beginn seiner Unterdörfer Episoden aus seinem Le-
Arbeit im Forst trat Unterdörfer im ben, Kindheitserlebnisse, Geschehnis-
Sommer 1987 in den Ruhestand. Er se in der Familie und die Arbeiten an
war zeitlebens ein Verfechter, die einem Dor& uch für Uhyst. Er beglei-
nachhaltige Entwicklung von Natur tete die neue Zeit durchaus kritisch,
und Landscha* nicht kurzfristigen warnte aber schon damals vor einer
wirtscha* lichen Inte ressen zu opfern. Verklärung der DDR-Vergangenheit
Dieses Vermächtnis wird heute im und erinnerte an deren Militarismus.
UNESCO-Biosphärenreservat Ober- Der letzte Eintrag, einen Tag vor sei-
lausitzer Heide- und Teichlandscha* nem Tod, ist charakteristisch für sein
bewahrt, welches sich in unmittel- Weltbild: Er versprach den Hornissen
barer Nachbarscha* zu Unterdörfers in seinem Garten, sie zu beschützen.
früherem Revier be% ndet. Entsprechend seinem Wunsch wurde
Unterdörfer in / yrow/Brandenburg
In seinem Nachlasswerk „Ich möch- beigesetzt, wo 15 Jahre zuvor schon
te einen Kranich sehen“, mit einem sein literarisches Vorbild Heinrich
Titelbild von Zawadzki, wird der Alexander Stoll zur letzten Ruhe
Reichtum innerer Werte besonders gebettet worden war.
deutlich. Das Tagebuch seiner letzten
Monate enthält viele Begebenheiten
aus dem Alltag, erzählt mit Humor Quellen: Heinz Pacholke: „Biographie
Gottfried Unterdörfer“. Internetpublikation
und Weisheit. Dazwischen re# ektiert und Begleittext zu einem Lichtbildervor-
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