Page 371 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
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Schülern wurden von ihm und seinen   eine junge Ringelnatter, die aufgeregt
        Mitarbeiterinnen 500 Nistkästen auf-  auf einzelne losschoss, aber abdreh-
        gehängt, mehr als 50 wilde Müllplätze   te, weil die Schüler hoch sprangen.
        beseitigt und hunderttausende Kie-  Schließlich sprang eines der Kinder
        fernsämlinge gep# anzt. In Erinnerung  zur Seite – und die Ringelnatter ward
        an den gemeinsamen Kampf um die     nicht mehr gesehen. Ein paar Tage
        Erhaltung der Natur stellten Freunde   später besuchte der Förster erneut die
        an eine alte gerettete Eiche im März   Gruppe und bot ihr eine „Kuhteich-
        2000 einen Stein mit dem aus seinem   rundfahrt“ mit einem Fischerkahn.
        Buch „Wege und Wälder“ stammen-
        den Spruch: „Wanderer, deinen Augen  Zu Unterdörfers Lebzeiten erschie-
        Glück.“                             nen 10 Bücher in zum Teil mehreren
                                            Au# agen. Sie waren in der DDR
        Frank Fiedler ist eine Exkursion    häu% g nur schwer zu erhalten und
        mit Bischofswerdaer Ferienschülern   für innige Naturverbundenheit, die
        durch das Uhyster Forstrevier im    poetische Beschreibung der Oberlau-
        Jahre 1964 mit vielen Einzelheiten in   sitzer Heimat und die Liebe zu deren
        Erinnerung geblieben. Ohne Zögern   Menschen, aber auch für die Ver-
        war Unterdörfer der Bitte gefolgt, die   mittlung christlicher Werte bekannt.
        Exkursion zu leiten. Was die Kinder   Unterdörfer bezog sich in seinem
        erlebten, überstieg alle Erwartungen.   Wirken auf die Bekennende Kirche
        Haubentaucher trugen ihre Jungen    und Dietrich Bonhoe+ er. Er wollte
        huckepack, Zwergrallen liefen auf den  stets für Andere da sein. Vielfach
        Schwimmblättern des Laichkrautes    basierten seine Werke auf autobiogra-
        im Ochsenteich und Raubvögel # ogen  % schen Erinnerungen: die Schrecken
        über das Gelände. Nachts im Zeltla-  des Krieges, Erlebtes und Gesehenes
        ger erklang ein Schmatzen aus dem   im Kreis von Familie und Kirchge-
        Röhrichtgürtel – es waren die Karp-  meinde. Besonders beeindruckend
        fen, die unter der Wasserober# äche   in seinem dichterischen Scha+ en ist,
        den Bewuchs an den Schil—  almen    mit welch feiner Beobachtungsgabe
        abweideten. Unterdörfer sorgte für   er selbst dem Unscheinbaren in der
        weitere Höhepunkte. Er holte die    Natur Sinn und Bedeutung verleihen
        12- bis 14-jährigen Schüler ab und   konnte. Hier wird der christliche
        führte sie durch sein Revier. Keiner   Hintergrund des Dichters deutlich,
        hatte bis dahin etwas von Schellenten   für den auch scheinbar unbedeutende
        gehört, die in Schwarzspechthöhlen   Tiere und P# anzen schön sind und
        hoch in Altbuchen brüten und deren   ein Lebensrecht besitzen. Unterdörfer
        noch nicht # ugfähige Jungen aus bis   ging davon aus, dass der Einzelne kei-
        zu 15 Metern hinabspringen. Auf dem  nen Ein# uss auf das „große“ Weltge-
        Heimweg „umzingelten“ die Schüler   schehen nehmen kann, sondern sich

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