Page 372 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
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stattdessen darum bemühen muss,     frühen Uhyster Jahren Pfarrer Da-
        an seinem Platz das Bestmögliche zu   niel Ho+ mann kennen gelernt hatte,
        tun. Das Schöne im Alltäglichen zu   gehörte damit zu den Begründern
        erkennen, ist dafür eine wesentliche   einer Tradition, die auch heute noch
        Voraussetzung, wie Unterdörfer ver-  im „Uhyster Lesewinter“ lebt. Es war
        mitteln wollte. Mit seinen Werken hat   zudem für ihn selbstverständlich, sich
        er vielen seiner Zeitgenossen wieder   für die Belange der sorbischen Mit-
        zur Heimatorientierung verholfen.   menschen einzusetzen. Das Ehepaar
        Dazu trugen auch häu% ge Schri* stel-  Unterdörfer verband eine langjäh-
        lerlesungen und Lesegottesdienste in   rige Freundscha*  mit der Witwe
        Uhyst bei. Unterdörfer, der in seinen   Jutta Baudert, Schwiegertochter des

                                            Dem Maler Hanns Georgi zeig-
                                            te Unterdörfer auf ausgedehnten
                                            Erkundungsfahrten aus seiner Sicht
                                            Malenswertes: eine Wasser/ äche
                                            weiß von blühendem Hahnenfuß
                                            (Abb. oben), Teichrallen und Hö-
                                            ckerschwäne auf der Wasser/ äche
                                            (Abb. Mitte), aufgeforstete Kippen
                                            eines Braunkohletagebau-Restlochs.
                                            Unterdörfer war verwundert, dass
                                            der Maler mit geübtem Blick noch
                                            ganz andere Motive entdeckte: einen
                                            Teichwinkel aus schwarzbraunem
                                            Sumpf, vom angrenzenden Un-
                                            terholz beschattet, und die Was-
                                            ser/ äche des Braunkohletagebau-
                                            Restlochs, spiegelnd in einer Vielfalt
                                            von Farben. Besonders beeindruckt
                                            hat Unterdörfer aber, wie Georgis
                                            Bilder alles Lichtbedür+ ige durch-
                                            leuchteten, so wie die Erlen in der
                                            Verlandungszone eines Teiches
                                            (Abb. unten): „Stehendes Wasser
                                            wird belebt durch die auf Rabatten
                                            hockenden, Feuchtigkeit liebenden,
                                            einander in die Höhe treibenden
                                            Bäume, durch deren Rinde man das
                                            rötliche Holz ahnt.“

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