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Stöckhardt wurde 1861 an die forscher und Ärzte an. Stöckhardt
Universität Jena als Direktor des leistete in Jena Bahnbrechendes. Die
landwirtscha* lichen Lehrinstituts mit ihm eingeführte Personalunion
berufen. Sein Vorgänger, Friedrich vom Direktor der Lehranstalt und
Gottlob Schulze, hatte hier 1826 das Leiter der Versuchsstation erwies sich
erste universitäre landwirtscha* liche als Erfolgsmodell, denn sie verbesser-
Institut in Deutschland gegründet. te die materiellen Möglichkeiten der
Diese Lehrtradition fortsetzen zu Studentenausbildung. Der Lehrplan
dürfen, war für Stöckhardt eine große wurde stetig erweitert und umfasste
Auszeichnung. In Chemnitz hinter- auch naturwissenscha* liche Grund-
ließ er eine spürbare Lücke. Nahezu lagen. Stöckhardt gewann solche
parallel zu seinem Wechsel nach Jena bekannten Wissenscha* ler wie Karl
kam von dort Friedrich Nob be als Snell und Ernst Abbe für die Lehre.
Lehrer nach Chemnitz. Er entwickelte Eine Zusammenarbeit gab es zudem
sich später in / arandt, wo ihn Julius mit Ernst Haeckel, für dessen / eorie
Adolph Stöckhardt förderte, zu einem von der Vererbbarkeit erworbener
international bedeutenden Samen- Eigenscha* en Stöckhardt Indizien
kundler. Ernst / eodor Stöckhardt lieferte. Im Nachfolgestreit um die
gründete 1862 in Jena eine landwirt- Leopoldina-Präsidentscha* nach Ca-
scha* liche Versuchsstation, die er bis rus‘ Tod 1869 stellten sich die Jenaer
1872 leitete. Gleichzeitig war er Di- hinter Wilhelm Friedrich Georg Behn
rektor der Ackerbauschule Zwätzen, und gegen Ludwig Reichenbach.
die unter seiner Leitung verstaatlicht
wurde, Vorstand des landwirtscha* - Die zunächst steigenden Studenten-
lichen Vereins und der Wander- zahlen in Jena ebneten den Weg für
versammlung / üringer Landwirte weitere universitäre Landwirtscha* s-
sowie von 1863 bis 1872 Herausgeber institute, z. B. von 1869 bis 1872 in
der „Landwirtscha* lichen Zeitung für Leipzig, Gießen und Göttingen – die
/ üringen“. deutsche Agrarwissenscha* und mit
ihr die landwirtscha* liche Produk-
1862 wurde Stöckhardt in die Deut- tion erlebten einen großen Auf-
sche Akademie der Naturforscher schwung. Dank Stöckhardt war die
Leopoldina aufgenommen. Deren Landwirtscha* swissenscha* inzwi-
Sitz wechselte im selben Jahr von Jena schen eine gleichberechtigte Disziplin
nach Dresden, nachdem Carl Gustav in Jena. Kriegsbedingt und mit der
Carus die Nachfolge von Dietrich wachsenden Konkurrenz, z. B. durch
Georg von Kieser als Präsident ange- Julius Kühn in Halle, sanken die Stu-
treten hatte. Ernst / eodor und Julius dentenzahlen in Jena aber wieder.
Adolph Stöckhardt gehörten zudem
der Gesellscha* Deutscher Natur-
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