Page 348 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
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lich des Maiaufstandes 1849 brachte   ministerium in Brösa besucht hatte,
        jener Stöckhardt in Schwierigkeiten.   die Berufung zum Professor und zum
        Boetticher war zum Barrikadenbau    Au&  au einer landwirtscha* lichen
        nach Dresden gereist, zwar rechtzeitig  Abteilung an der Gewerbeschule
        zurückgekehrt, doch auch Stöckhardt   in Chemnitz. Er folgte hier seinem
        wurden jetzt Sympathien für die Re-  Cousin Julius Adolph Stöck hardt
        volution unterstellt.               (4. Grades, aus dem Lauterbacher
                                            Zweig), der in Chemnitz von 1838 bis
        Stöckhardt war zuerst Sekretär und   1847 gewirkt hatte und inzwischen
        später Vorsitzender des 1844 gegrün-  an der Forstakademie /  arandt die
        deten Klixer landwirtscha* lichen   Agrikulturchemie zu hoher Blüte
        Vereins, der sich neben praktischen   führte. Jener gehörte über viele Jahre
        Fragen der Landwirtscha*  auch der   zu den wichtigsten fachlichen Bezugs-
        Ausbildung sowie dem Obstbau und    personen von Ernst /  eodor Stöck-
        der Teichwirtscha*  widmete, und    hardt, mit dem auch enge familiäre
        er beteiligte sich am „Land- und    Beziehungen gep# egt wurden. Beide
        forstwirthscha* lichen Wochenblatt   zählten in den Folgejahren zu den
        des sächsischen Markgra* hums       Schrittmachern des landwirtscha* li-
        Oberlausitz“. Im landwirtscha* lichen   chen Versuchswesens in Deutschland,
        Kreisverein Bautzen wirkte er als   dessen Ziel in der Vermeidung von
        Stellvertreter von P?T_ H=@~?>>. Zu   Hungerkrisen wie 1847/48 durch
        Stöck hardts Bekanntenkreis während   Steigerung der landwirtscha* lichen
        der Brösaer Zeit zählten der Bautze-  Produktion bestand. Der Brösaer
        ner Organist Carl Eduard Hering und   Wol+  wurde 1852 zum Gründungsdi-
        Pfarrer K?@_ T@?T[]^^ K?>K[ aus     rektor der ersten landwirtscha* lichen
        dem benachbarten Klix.              Versuchsstation Deutschlands in
                                            Leipzig-Möckern bestellt, die Julius
        Stöckhardts Leistungen machten ihn   Adolph Stöckhardt initiiert hatte.
        schnell auch außerhalb der Oberlau-
        sitz bekannt. 1849 gehörte er einer   Ernst /  eodor Stöckhardt war ein
        Kommission zur Erörterung der       Wegbereiter der Landwirtscha* saus-
        Grundsteuerverhältnisse im Erzgebir-  bildung in der Oberlausitz und ganz
        ge an. Dabei wurde Julius Am brosius   Sachsen. In Chemnitz entstanden
        Hülße auf ihn aufmerksam, seinerzeit   wichtige Schri* en, so „Bemerkungen
        Direktor der Königlichen Gewer-     über das landwirtscha* liche Unter-
        beschule in Chemnitz, später des    richtswesen“ (1851), das „Lehrbuch
        Polytechnikums in Dresden. Im Jahr   über Drainage“ (1852) und wenig
        darauf erhielt Stöckhardt auf Hülßes   später das gemeinsam mit Julius
        Empfehlung, der ihn zusammen mit    Adolph Stöck hardt überarbeitete
        Albert Christian Weinlig vom Innen-  Standardbuch „Der angehende Pach-

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