Page 341 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
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Dresden (Elise von der Recke, Chris-  er kritisierte standesabhängige Urtei-
        toph August Tiedge). Im Hause der   le. Seinen jüngeren Brüdern erteilte
        Witwe Voigt in Naumburg lernte er   er Unterricht in Sprachen und Musik,
        seine spätere Frau Emilie kennen. Die   mit dem Konrektor des Gymnasiums
        Familie Voigt war sehr kunstsinnig.   Friedrich Gotthelf Fritsche war er
        Stöckhardts Schwager Carl Friedrich   befreundet. Bald merkte Stöckhardt
        Eduard Voigt gehörte zu den Förde-  jedoch, dass ihn das Leben in Baut-
        rern des Leipziger Gewandhaus-Or-   zen beru# ich nicht ausfüllen konnte.
        chesters und zum Bekanntenkreis von  Sein ausgezeichneter Ruf drang bis
        Robert Schumann.                    nach St. Petersburg. Im damaligen
                                            Russischen Reich wurde Römisches
        Stöckhardt hatte schon in jungen    Recht gelehrt, das seinerzeit in vielen
        Jahren viel persönliches Leid erfah-  europäischen Staaten als maßgebliche
        ren. Nach seiner Mutter war 1820    Rechtsquelle galt. Stöckhardt erhielt
        auch seine erste Stiefmutter, Erdmu-  1831 die Berufung als Professor an
        the Wilhelmine geb. von Leonhardi,   das Pädagogische Hauptinstitut in St.
        frühzeitig verstorben, 1825 sein    Petersburg, wo die zukün* igen Lehrer
        geliebter Bruder Gerhard Julius. Als   höherer Schulen studierten. Zu seiner
        der Vater wegen Krankheit seinen    Familie gehörten im Jahr des Umzugs
        baldigen Tod voraussah, holte er    zwei kleine Kinder, die in Bautzen
        seinen nunmehr ältesten Sohn nach   geborenen Clara und Reinhold.
        Bautzen zurück, um die Familie
        zu unterstützen. Stöck hardt erhielt   Stöckhardt wurde in St. Petersburg
        1828 eine Anstellung als Königlicher   zum Kaiserlichen Hofrat ernannt.
        Sächsischer Rechts-Consulent. Von   Fürst Christoph von Lieven, ein
        1824 bis 1831 gehörte er den Bautze-  Ratgeber von Zar Nikolaus, unter-
        ner Freimaurern an. Aus dieser Zeit   richtete ihn in der russischen Sprache.
        stammen zwei der bedeutendsten      Stöckhardt arbeitete in der Gesetzge-
        wissenscha* lichen Arbeiten Stöck-  bungskommission mit und lehrte ab
        hardts. Die „Tafeln zur Geschichte   1835 als Professor an der Kaiserlichen
        des Römischen Rechts“ begründe-     Rechtsschule. 1837 schrieb er als
        ten seinen Ruhm. In der folgenden   Lehrbuch für die juristischen Einlei-
        Analyse zum Unterschied zwischen    tungswissenscha* en die „Allgemeine
        Zivil- und Strafrecht („Dolus civilis“   juristische Fundamentallehre“. Für
        und „Dolus criminalis“) konnte er   seine großen Verdienste um den Auf-
        auf diese umfangreichen historischen   bau einer modernen Juraausbildung
        Studien zurückgreifen. Stöckhardt   und Gesetzgebung in Russland wurde
        diskutierte u. a. die Resozialisierung   er zum Staatsrat ernannt, in den
        von Stra* ätern als Ziel der Bestra-  russischen Adelsstand erhoben und
        fung, deren Erfolg er bezweifelte, und   mit dem Annen-, dem Wladimir- und

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