Page 325 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
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kers / eodor Kotschy zunächst eine
dreiwöchige Reise nach Kurdufan.
Sie erho en sich von dem angeneh-
meren Klima auch gesundheitliche
Besserung.
Auf Einladung der holländischen
Hofdame und Abenteurerin Alex-
andrine Tinné beteiligten sie sich ab
dem 25. Januar 1863 an deren Expe-
dition nach den im Südwesten Sudans Die Expeditionsgruppe von Heuglin
gelegenen und bis nach Zentralafrika (ganz rechts sitzend und Wasser-
reichenden Quellgebieten des Wei- pfeife rauchend) und Steudner (im
ßen Nils. Steudner war begeistert von Bild links neben Heuglin).
der guten Ausrüstung Tinnés, die
einen Dampfer für ein Jahr gemie- (eine Diagnose, die früher häu% g im
tet hatte und der Barken, 150 Trä- Zusammenhang mit Typhus gestellt
ger, Leibwächter und 40 Maultiere wurde) und verstarb nach drei Tagen.
zur Verfügung standen. Die Reise Seine Kameraden bestatteten ihn
führte stromaufwärts in den Bahr unter einer Baumgruppe nahe dem
al-Ghazal (Gazellen# uss), der am Fluss. Mit Steudner verlor die Gruppe
5. Februar 1863 erreicht wurde. Die nicht nur einen wichtigen Naturfor-
Gebiete entlang des Gazellen# usses scher, sondern auch den Arzt. Weitere
waren sump% g und verseucht mit 4 der 9 Expeditionsmitglieder star-
Malaria-Mücken. Am 25. Februar ben in der Folgezeit. Die Expedition
1863 erreichte man den Rek-See [16] konnte deswegen nicht alle Ziele
(Meschra er Rek) im Quellgebiet des erreichen. Sie wurde später von Georg
Gazellen# usses. Viele Expeditions- Schweinfurth vollendet. Die umfang-
mitglieder erkrankten. Heuglin und reichen Ergebnisse der Tinnéschen
Steudner erhielten den Au* rag, einen Expedition auf botanischem Gebiet
Landweg zum angrenzenden, ge- publizierte / eodor Kotschy 1865
sünderen Gebirge zu suchen. Wegen unter dem Titel „Plantae Tinneanae“.
der nahenden Regenzeit war Eile Die Expedition von Heuglin und
geboten – man musste auch verlorene Steudner war seinerzeit umstritten.
Zeit au olen, weil die Damen nicht Sie hatte das eigentliche Ziel, Vogel
auf Luxus verzichten wollten und zu % nden, verfehlt – auch Munzinger
an Land in Sän* en getragen werden und Kinzelbach mussten schließlich
mussten. In der Nähe des Djur# usses dessen Tod konstatieren. Es war auch
bei Waw [17] im südwestlichen Sudan Steudner zu danken, dass stattdessen
erkrankte Steudner an „Gallen% eber“ eine überaus große Zahl wichtiger
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