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Görlitz, damit er auf eines der be- kopierkurs“ sowie Lehrveranstaltun-
rühmtesten Gymnasien Schlesiens, gen bei Franz von Rinecker und Al-
das Augustum im ehemaligen Fran- bert von Kölliker. Außerdem hörten
ziskanerkloster, gehen konnte. 1846 sie Botanik-Vorlesungen bei August
wechselte Steudner auf die Realschule Schenk, unternahmen mit ihm
Görlitz, wo er 1850 das Abitur ableg- botanische Exkursionen und arbei-
te. teten an dessen Herbarium. Aus der
Würzburger Zeit stammen Exponate
Steudner studierte ab 1850 Natur- des Flechtenherbars des Senckenberg
wissenscha* en in Berlin, wobei sein Museums für Naturkunde Görlitz. Im
hauptsächliches Interesse der Bota- Februar 1854 wurde Steudner wegen
nik galt. Eigentlich hatte er Medizin Trunkenheit und Widerstands gegen
studieren wollen, tatsächlich belegte die Staatsgewalt zu einer dreimonati-
er aber neben Botanik bei Alexan- gen Festungsha* verurteilt.
der Braun, Nathanael Pringsheim,
Carl Jessen und Karl Koch, der sich Steudner kehrte im Herbst 1854 nach
seinerzeit in Berlin habilitierte, Berlin zurück. Nach Ableistung seiner
auch Naturgeschichte, Mineralogie, Militärp# icht widmete er sich wis-
Geognosie, Versteinerungskunde, senscha* lichen Studien. Das Erbe des
Zoologie, Chemie und vergleichende Vaters sicherte ihm % nanziellen Spiel-
Physiologie bei bedeutenden Lehrern raum. Er schloss sich in Berlin Karl
wie Christian Gottfried Ehrenberg Koch an. Koch war am Botanischen
(Begründer der Mikropaläontologie), Garten angestellt und Generalsekre-
Heinrich Wilhelm Dove (Begründer tär des „Vereins zur Beförderung des
der wissenscha* lichen Meteorologie Gartenbaues im Preußischen Staate“.
und Wettervorhersage) und Carl Rit- Die Verbindung von Koch und Steud-
ter (Wegbereiter einer wissenscha* - ner bestand wohl zum gegenseitigen
lichen Geographie). 1852 begann Vorteil, denn Koch litt mit seiner
Steudner ein Medizinstudium in vielköp% gen Familie in Berlin lange
Würzburg. Hier lernte er Rudolf Vir- Not, da ihm die angestrebte Professur
chow kennen, der wegen seiner Betei- zunächst verwehrt blieb und er sich
ligung an der Märzrevolution Berlin mit befristeten und schlecht bezahl-
hatte verlassen müssen und von 1849 ten Anstellungen zufrieden geben
bis 1856 in Würzburg lehrte. Steudner musste. Seine fachübergreifenden
war mit dem späteren „deutschen Arbeiten zu Botanik und Gartenbau
Darwin“, Ernst Haeckel, befreundet. fanden wenig Anerkennung. Steudner
Sie besuchten Virchows Vorlesung arbeitete in der Berliner Zeit an einer
zur „allgemeinen pathologischen umfassenden P# anzen-Geographie.
Anatomie“ und dessen berühmten Dazu unternahm er Exkursionen in
„pathologisch-anatomischen Mikros- alle deutschen Gebirge, in die öster-
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