Page 320 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
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Görlitz, damit er auf eines der be-  kopierkurs“ sowie Lehrveranstaltun-
        rühmtesten Gymnasien Schlesiens,    gen bei Franz von Rinecker und Al-
        das Augustum im ehemaligen Fran-    bert von Kölliker. Außerdem hörten
        ziskanerkloster, gehen konnte. 1846   sie Botanik-Vorlesungen bei August
        wechselte Steudner auf die Realschule   Schenk, unternahmen mit ihm
        Görlitz, wo er 1850 das Abitur ableg-  botanische Exkursionen und arbei-
        te.                                 teten an dessen Herbarium. Aus der
                                            Würzburger Zeit stammen Exponate
        Steudner studierte ab 1850 Natur-   des Flechtenherbars des Senckenberg
        wissenscha* en in Berlin, wobei sein   Museums für Naturkunde Görlitz. Im
        hauptsächliches Interesse der Bota-  Februar 1854 wurde Steudner wegen
        nik galt. Eigentlich hatte er Medizin   Trunkenheit und Widerstands gegen
        studieren wollen, tatsächlich belegte   die Staatsgewalt zu einer dreimonati-
        er aber neben Botanik bei Alexan-   gen Festungsha*  verurteilt.
        der Braun, Nathanael Pringsheim,
        Carl Jessen und Karl Koch, der sich   Steudner kehrte im Herbst 1854 nach
        seinerzeit in Berlin habilitierte,   Berlin zurück. Nach Ableistung seiner
        auch Naturgeschichte, Mineralogie,   Militärp# icht widmete er sich wis-
        Geognosie, Versteinerungskunde,     senscha* lichen Studien. Das Erbe des
        Zoologie, Chemie und vergleichende   Vaters sicherte ihm % nanziellen Spiel-
        Physiologie bei bedeutenden Lehrern   raum. Er schloss sich in Berlin Karl
        wie Christian Gottfried Ehrenberg   Koch an. Koch war am Botanischen
        (Begründer der Mikropaläontologie),   Garten angestellt und Generalsekre-
        Heinrich Wilhelm Dove (Begründer    tär des „Vereins zur Beförderung des
        der wissenscha* lichen Meteorologie   Gartenbaues im Preußischen Staate“.
        und Wettervorhersage) und Carl Rit-  Die Verbindung von Koch und Steud-
        ter (Wegbereiter einer wissenscha* -  ner bestand wohl zum gegenseitigen
        lichen Geographie). 1852 begann     Vorteil, denn Koch litt mit seiner
        Steudner ein Medizinstudium in      vielköp% gen Familie in Berlin lange
        Würzburg. Hier lernte er Rudolf Vir-  Not, da ihm die angestrebte Professur
        chow kennen, der wegen seiner Betei-  zunächst verwehrt blieb und er sich
        ligung an der Märzrevolution Berlin   mit befristeten und schlecht bezahl-
        hatte verlassen müssen und von 1849   ten Anstellungen zufrieden geben
        bis 1856 in Würzburg lehrte. Steudner  musste. Seine fachübergreifenden
        war mit dem späteren „deutschen     Arbeiten zu Botanik und Gartenbau
        Darwin“, Ernst Haeckel, befreundet.   fanden wenig Anerkennung. Steudner
        Sie besuchten Virchows Vorlesung    arbeitete in der Berliner Zeit an einer
        zur „allgemeinen pathologischen     umfassenden P# anzen-Geographie.
        Anatomie“ und dessen berühmten      Dazu unternahm er Exkursionen in
        „pathologisch-anatomischen Mikros-  alle deutschen Gebirge, in die öster-

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