Page 326 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
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botanischer, mineralogischer und    Görlitz. Steudners Beobachtungsgabe
        faunistischer Studien sowie kartogra-  sind bemerkenswerte Entdeckun-
        % sche Arbeiten durchgeführt werden   gen zu verdanken. An ihn erinnern
        konnten. Sie hatten eigenverantwort-  die Namen vieler P# anzenarten
        lich entschieden, die aussichtslose   („Steudneri“; „Steud“ ist dagegen dem
        Suche nach Vogel abzubrechen und    Botaniker Ernst Gottlieb von Steudel
        dafür den wissenscha* lichen Unter-  zuzuordnen) sowie der Zwergwüs-
        suchungen den Vorrang zu geben.     tengecko („Tropiocolotes Steudneri“,
        Die Expedition wurde v. a. von Alfred   1869 von Wilhelm Peters beschrie-
        Brehm verteidigt. Es sei vermerkt,   ben). Karl Koch hatte schon 1862 die
        dass Steudner mit privaten Mitteln   Gattung „Steudnera K. Koch“ aus der
        von 500 Talern pro Jahr die Reise erst   Familie der Aronstabgewächse nach
        mit ermöglicht hatte und auch dieser   Steudner benannt. Wilhelm Stricker
        Beitrag nach der Routenänderung     erinnerte im „Archiv für pathologi-
        gesperrt wurde.                     sche Anatomie und Physiologie und
                                            für klinische Medicin“ von Rudolf
        Steudner leistete unter ungünstigen   Virchow im „Ärztlichen Nekrolog
        klimatischen Verhältnissen und von   1863“ an ihn. Die von Steudner
        Krankheiten geplagt in der Kürze der   gesammelten P# anzen be% nden sich
        ihm zur Verfügung stehenden Zeit    heute in international bedeutenden
        mit seinen Expeditionskameraden     Herbarien, darunter in der Sammlung
        wichtige Pionierarbeit. Er gehörte   afrikanischer Gewächse im Bota-
        zu den ersten Opfern der deutschen   nischen Museum Berlin-Dahlem,
        Afrikaforschung des 19. Jahrhunderts.  in den Kew Royal Botanic Gardens
        Die von ihm verfassten Berichte in   London, im Natural History Museum
        der „Zeitschri*  der Berliner Gesell-  London, Muséum national d‘histoire
        scha*  für Erdkunde“ und der „Zeit-  naturelle Paris, Swedish Museum of
        schri*  für allgemeine Erdkunde“    Natural History Stockholm und South
        besaßen große Bedeutung, weil viele   African National Biodiversity Institu-
        der bereisten Gebiete von keinem Bo-  te, National Herbarium Pretoria. Die
        taniker vor ihm erforscht worden wa-  gefundenen Gesteine hatte Steudner
        ren. Er schilderte auf lebendige Weise   an Alexander Sadebeck gesandt,
        jedoch nicht nur die Natur, sondern   der sie der Deutschen Geologischen
        zudem Land und Leute, sodass die    Gesellscha*  zugänglich machte. Eine
        Berichte auch einen hohen ethnologi-  Insektensammlung ging an das Zoo-
        schen Wert besitzen. Karl Koch wurde  logische Museum Berlin.
        von Heuglin gebeten, Steudners
        Aufzeichnungen und Sammlungen       Steudner hatte nie die Bindungen
        auszuwerten. Ein Teil der natur-    nach Görlitz verloren. Er war Eh-
        historischen Sammlung ging nach     renmitglied der Naturforschenden

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