Page 322 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
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Als Vorbereitung für die vom be-    route einen Umweg über Abessinien.
        rühmten Afrikareisenden /  eodor    Die Erforschung und kartogra% sche
        von Heuglin geleitete Expedition    Erfassung unbekannter Landstriche
        lernte Steudner die arabische Spra-  stellte aber nur ein Nebenziel der
        che. Seine Dissertation zum /  ema   Expedition dar. Die Reise führte von
        Pfeilwurzgewächse („Marantaceae“)   Kairo nach Suez [4] und gemeinsam
        reichte er an der Universität Jena kurz   mit Mekka-Pilgern auf einem Dampf-
        vor der Abreise nach Afrika ein. Die   schi+  nach Dschidda [5] (heute
        Promotionsurkunde „Doctoris Phi-    Saudi-Arabien), bevor man auf einer
        losophiae Honores“ ist auf den 9. Mai   Barke über das Rote Meer nach Mas-
        1861 datiert. Burkard Wilhelm Leist   saua [6] (Eritrea) übersetzte, das am
        und Carl Nipperdey vertraten dabei   17. Juni 1861 erreicht wurde. Auf dem
        die Universität. Während der Anfahrt   nahen Dahlak-Archipel [7] führten
        über Wien und Triest informierte sich  sie ornithologische und botanische
        Steudner in Wien bei /  eodor Kot-  Studien durch. Aus dem Land der
        schy über die von ihm und Wilhelm   Bogos kommend, dem nächsten Ziel,
        Schimper in Ostafrika gesammelten   stieß der Ethnograph Werner Mun-
        P# anzen.                           zinger hinzu. Auf Maultieren und
                                            Kamelen erreichte die Gruppe über
        Nach der Ankun*  am 4. März 1861 in  Keren [8] auf ihrer Reise durch das
        Alexandria [1] besuchte er zunächst   raue Hochland Abessiniens am 14.
        die Hafenstadt Rosette [2] im Nil-  November 1861 Adua [9]. Steudner
        delta und erforschte die Umgebung   interessierte sich neben der Flora v. a.
        Kairos [3]. Er beabsichtigte, in Kairo   für die afrikanische Naturmedizin. In
        den Freimaurern beizutreten. Man    Adua wurden sie schon von Wilhelm
        vermutete davon Vorteile bei der Auf-  Schimper erwartet. Auch Schimper
        nahme in Arabien. Neben Steudner    empfahl der Expedition, statt direkt
        als Botaniker und Geologe gehörten   nach Khartum zu reisen, zunächst
        auch der Astronom und Meteorologe   beim abessinischen Kaiser Tewodros
        Gottlob /  eodor Kinzelbach und als   freies Geleit zu erbitten. Der führte
        Präparator der spätere österreichische   Krieg gegen abtrünnige Stämme in
        Honorarkonsul in Khartum Martin     der südlich gelegenen Galla-Provinz.
        Hansal zur Gruppe, die ebenfalls    Auf der Suche nach dem Kaiser
        Freimaurer waren bzw. wurden. Um    kamen Heuglin und Steudner zuerst
        ungünstigen klimatischen Verhält-   nach Gonder [10] und über Ga+ at
        nissen zur Reisezeit in Khartum, dem   bei Debra Tabor [11] am 15. März
        eigentlichen Ausgangspunkt der Su-  1862 zur Festungsstadt Magdala [12].
        che in Wadai, aus dem Weg zu gehen   Nachdem sie den Kaiser im Kriegs-
        und mehr Zeit zur Akklimatisierung   lager auf der Hochebene Edschebet
        zu gewinnen, wählte man als Reise-  bei den Kollo-Bergen erreicht hatten,

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