Page 324 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
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Eine Gruppe mit Heuglin, Steudner und dem Jäger Schubert bestieg Ende
September 1861 den Zad‘-Amba. Sie trafen auf Mönche, selbst Gemsjäger
nahmen den beschwerlichen Weg kaum auf sich: „Mit Händen und Füßen
uns anklammernd, o+ durch das dicht verwachsene Gestrüpp auf dem Bau-
che kriechend, bald durch schachtähnliche Felsenrisse wie Schornsteinkeh-
rer senkrecht hinau limmend...“ (Steudner in Mitteilungen an H. Barth)
ließ dieser sie jedoch zunächst nicht ditionskollegen wiederholt medizini-
frei weiterreisen. Die Gruppe wurde sche Hilfe. Aber auch er selbst hatte
Zeuge brutaler Plünderungen. Nach mit gesundheitlichen Problemen zu
dreiwöchigem Aufenthalt dur* en kämpfen. Am Tanasee [13] vorbei
sie am 25. April 1862 zusammen kamen sie unterhalb der Einmündung
mit dem Dessauer Botaniker und des Rahad [14] zum Blauen Nil, über
Zeichner Christoph Eduard Zander den sie schließlich am 6. Juli 1862
au& rechen. Heuglin und Steudner Khartum [15] im Sudan erreichten.
hatten im Unterschied zu Munzinger Hier erfuhren sie, dass Heuglin wegen
und Kinzelbach ab Adua die geplante seiner „Eigenmächtigkeit“ die Lei-
Route verlassen und nutzten die kreuz tung der Expedition – und damit die
und quer durch das nördliche Abessi- % nanzielle Unterstützung – entzogen
nien führende Suche nach dem Kaiser worden war. Während eines mehrmo-
zu systematischen wissenscha* lichen natigen Zwangsaufenthalts unternah-
Untersuchungen. Steudner gewährte men Heuglin und Steudner auf den
den Einheimischen und seinen Expe- Spuren des österreichischen Botani-
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