Page 227 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
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Nake bewirtscha* ete sein Anwesen   Wegen der Bedeutung der Schafzucht
        nicht selbst, sondern übertrug dies   für Sachsen bestand in den 1820er
        einem Vogt. 1822 kau* e er zusätzlich   Jahren „Die wegen Veredelung der
        das Kleindrebnitzer Erbgericht. Nakes  Schäfereien im Königreiche Sachsen
        Motive bestanden darin, zum Vor-    Verordnete Commission“. Sie unter-
        werk benachbarte landwirtscha* liche   stand direkt dem Geheimen Kabinett
        Flächen zu erwerben und neben der   unter Detlev Graf von Einsiedel und
        Schafzucht auch herkömmliche Land-  wurde von Peter Carl Graf von Ho-
        wirtscha*  betreiben zu können. Eine
        Rolle spielte vermutlich aber auch,
        dass der Unternehmer in Kleindreb-
        nitz und hohe königliche Vertreter in
        Rennersdorf dadurch zusätzlich Ein-
        # uss auf die örtliche Gerichtsbarkeit
        in Kleindrebnitz erlangte. Zu Nakes
        Obliegenheiten gehörte die Organisa-
        tion der Fronleistungen, die das Dorf
        gegenüber Kammergut Rennersdorf
        und Amt Stolpen zu erfüllen hatte.
        Als „Dungdorf“ war Kleindrebnitz
        für die Düngung der königlichen     „Dem Elektoralschafe war eigen:
        Felder zuständig, man musste Ge-    eine kleine Figur von feinem Kno-
        hö* arbeiten leisten, die Flachsfelder   chenbau; langer schwacher Kopf,
        bearbeiten, Holz- und Transportar-  feiner Hals, hoher scharfer Stock
        beiten übernehmen und die Jagden    mit schmalem Rücken, schmales
        unterstützen. Die Fluren sollten von   abgeschli` enes Kreuz; seichte enge
        den Schafen des Kammergutes „be-    Brust mit solchem Bauche; hohe
        hütet“ werden. Als Grundbesitzer in   Beine mit mageren Schultern und
        Kleindrebnitz war Nake Fronp# ichti-  Schenkel; ein feines Fell ohne Falten
        ger, als Administrator in Rennersdorf   mit schwachem Köder“ (Georg May:
        Kontrolleur. Sein Versuch, Ausschank   „Das Schaf: seine Wolle, Rassen,
        und Beherbergung sowie die Durch-   Züchtung, Ernährung und Benut-
        führung von Versammlungen vom       zung, sowie seine Krankheiten“, Bd.
        Erbgericht in das Vorwerk zu verle-  1, Breslau 1868, S. 181–182; Abb.:
        gen, scheiterte am Widerstand der   vierjähriges Mutterschaf, Rudolph
        Kleindrebnitzer. Damit musste er    André 1824). Der in Wilschdorf bei
        auch seinen Plan aufgeben, die Erbge-  Rennersdorf aufgewachsene R?-
        richtsgebäude komplett zu vermieten   qX<@ HX\\X< erwähnte die Elek-
        und die Flächen ausschließlich vom   toralwolle in seinem Roman „Der
        Vorwerk aus zu betreiben.           Schleichhändler“.

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