Page 217 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
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tolerantes, aufgeklärtes Klima, das
auch die Berufung eines protestanti-
schen Professors wie Meißner zuließ.
Mit dem Tod des Kaisers 1790 gewan-
nen jedoch an der Universität restau-
rative Bestrebungen um den katho-
lischen Klerus an Ein# uss, die auch
Meißners Lehrtätigkeit erschwerten.
1805 wechselte Meißner nach Fulda
als Konsistorialrat und Direktor des
Gymnasiums. Wie in Prag kam er als
protestantischer Lehrer in ein streng
katholisches Umfeld, in dem erst
1802 die Säkularisierung eingeführt
worden war. Weil Friedrich Wilhelm
von Nassau auf Seiten der Preußen
gekämp* hatte, besetzten nach der
Schlacht von Jena napoleonische
Truppen Fulda. Mit ihnen kam der
Typhus, der Meißner 1807 im Alter
von 53 Jahren, seiner Frau und zwei Clara Bianca von Quandt mit Laute,
Töchtern das Leben kostete. 1820 von Julius Schnorr von Ca-
rolsfeld gemalt. Meißners Tochter
Meißner war seinerzeit einer der heiratete zwölf Jahre nach dem
Lieblingsschri* steller des Publikums Tod des Vaters in Dresden Johann
und insbesondere bei der weiblichen Gottlob von Quandt. Zu den regel-
Leserscha* angesehen. Seine ausge- mäßigen Gästen im Hause Quandt
zeichenten Fremdsprachenkennt- gehörten E<>@ R]X@^_X\, Gott-
nisse ermöglichten ihm anerkannte fried Semper, K<\ A=[=@ B@-
Übersetzungen und Bearbeitungen @][X< und G?@@\?q A{?\
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aus dem Französischen, Englischen, ?> N?@]@ =>{ J>X>{?<
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Italienischen, Lateinischen und Grie- Quandt übte großen Ein/ uss auf
chischen. Die berühmten Schri* stel- das Kunstgeschehen in ganz Sachsen
ler seiner Zeit wie Johann Wolfgang aus. Er war einer der Mitbegründer
von Goethe und Ludwig Tieck sahen des Sächsischen Altertumsvereins
ihn dagegen kritisch mit Hinweisen und des Sächsischen Kunstvereins
auf sprachliche Mängel und fehlende sowie Mitglied des akademischen
Originalität. Nach Meißners Tod gab Rats an der Kunstakademie und der
Christoph Ku+ ner dessen gesammelte Dresdner Galeriekommission. 1830
Werke in 56 Bänden heraus. kau+ e er das Rittergut Dittersbach.
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