Page 177 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
P. 177
Klipphausen und Klix, eine Predigt
von Kanig in Uhyst gehört hatte, bot
er diesem 1834 die vakante Stelle in
Klix an. Diakon war hier der liberale
Handrij Zejler, der Wunschkandidat
der Gemeinde. Kanig ging sein pie-
tistischer Ruf voraus und die Klixer
Gemeinde stellte sich zunächst vehe-
ment gegen ihn. Nach Kanigs Beru-
fung wechselte Zejler als Pfarrer nach
Lohsa. Das Diakonat wurde von Ka- Innenaufnahme der Kirche in Klix
nig bis 1840 mit übernommen, weil im 19. Jahrhundert.
nach dem Großbrand von 1830 Geld
gespart werden musste. Dank der Un- Missionsfest in Baruth, 1853 vereinig-
terstützung der Familie Reuß konnte te er die sorbischen Missionsvereine
Kanig, der mehr als vier Jahrzehnte und 1854 gründete er zusammen mit
in Klix wirken sollte, mit der Zeit das dem Klixer Diakon Johann Rudolf
Vertrauen seiner Gemeinde gewin- Richter, später Pfarrer in Kotitz, die
nen. Im August 1834 gehörte er zu Zeitschri* „Missionski Posoł“. Der in
jenen 18 evangelischen Geistlichen, einer monatlichen Au# age von 900
die im Namen von 50000 Sorben bei Stück herausgegebene Missionsbote
der sächsischen Regierung gegen die widmete sich Missionsberichten, Pre-
Benachteiligung ihrer Muttersprache digten und Liedern. Kanig übersetzte
protestierten, im Jahr darauf geneh- dafür deutsche Choräle in das Sor-
migte der Landtag per Gesetz den bische. 1855 verfasste er eine Schri*
Gebrauch der sorbischen Sprache in zu Martin Luther: „Nebo Dr. Merten
einigen Schulfächern. Die tiefgläubige Lutherowe Žiwenje“. Seine Bemühun-
Prinzessin Reuß zu Köstritz, spätere gen um die sorbische Sprache gingen
Großherzogin Auguste von Mecklen- so weit, dass er die Verordnung zum
burg, erhielt bei Kanig am 6. Oktober stärkeren Gebrauch der deutschen
1838 ihre Kon% rmation. Sprache im Schulunterricht von 1860
nicht an die Lehrer seines Aufsichts-
Kanig zählte zu den bedeutendsten bezirks weitergab, wofür er von der
sorbischen Liederdichtern und zu Kreisdirektion gerügt wurde. Für den
den aktivsten Vertretern der Inne- 1862 von Jaroměr Hendrich Imiš ge-
ren Mission unter den Sorben. 1842 gründeten „Wendischen evangelisch-
wurde sein „Jesu, Dobry Ljekar- lutherischen Buchverein“ mit seinen
jo“ in das „evangelisch-wendische etwa 1000 Mitgliedern verfasste er für
Gesangbuch“ aufgenommen. 1848 die Jahre 1862–1868 sowie 1870 einen
organisierte Kanig das erste sorbische biblischen Wegweiser: „Bibliski pucz-
177

