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Doktor-Prüfung. Zuvor hatte sie in 1917 verteidigte Else ihre Dissertati-
Mannheim umfangreiche Datenerhe- on „Kunstp# ege im 19. Jahrhundert“
bungen zur Kulturrezeption der Be- in Heidelberg bei Alfred Weber. Die
völkerung durchgeführt. Mithilfe von Arbeit bestand aus zwei Teilen. Im
etwa 12000 Fragebögen sowie vielen Teil „Ö+ entliche Kunstp# ege“ stellte
Interviews und der Unterstützung des die Autorin die Epochen „Hö% sch“
Mannheimer Museumsdirektors Fritz (großherzogliche Kunstsammlun-
Wichert erfasste sie die verschiedenen gen), „Bürgerlich“ (Kunstvereine) und
kulturellen Aktivitäten. „Kommunal“ (Kunsthallen, Ausstel-
lungen, Popularisierung) gegenüber.
Nach dem Studium folgte Biram Wil- Im Teil „Erlebniszentren der Bevöl-
helm Bodenheimer nach Mannheim. kerungsschichten“ thematisierte sie
Jener arbeitete als Assistenzarzt am Führungen, Lesen, Schaulust, Besitz
städtischen Krankenhaus, übernahm und Dilettantismus. Ihre Arbeit
aber gleichzeitig aus ideeller Verbun- erschien 1919 auch bei Eugen Diede-
denheit auch die ärztliche Betreuung richs in Jena als Teil der Abhandlung
der 1910 gegründeten Gartenstadt. „Die Industriestadt als Boden neuer
1914 publizierte Bodenheimer- Kunstentwicklung: bildende Kunst
Biram „Die jugendliche Arbeiterin“ und modernes Leben, ö+ entliche
in der „Zeitschri* für Kinderp# ege“. Kunstp# ege, Erleb nis zentren der
1915 zogen sie und ihr Mann in die Bevölkerungsschichten, Entfaltung
Gartenstadt. 1916 übernahm Biram produktiver Krä* e auf dem Boden
die Leitung des städtischen Wohl- des organisierten Industriezentrums“
fahrtsamtes für stra+ ällige Mädchen in den „Schri* en zur Soziologie der
in Frankfurt/Main. In dieser Zeit Kultur“. Biram hatte mit ihrer em-
stand sie auch in Verbindung mit Sa- pirischen Soziologie in Deutschland
lomon Altmann, inwischen Professor Neuland betreten, ohne für ihre Pi-
an der Handelshochschule Mann-
heim, den sie als Privatdozenten für
Nationalökonomie aus ihrer Heidel-
berger Zeit kannte.
Während des Ersten Weltkriegs hatte
Elses Mann Dienst im Mannheimer
Lazarett. Ihre Brüder dienten in der
deutschen Armee. Einer von ihnen,
der ein reichliches Jahr ältere Julius,
% el 1916, Fritz geriet 1915 in franzö-
sische Kriegsgefangenscha* und Max Familie Bodenheimer (vermutlich
wurde verwundet. in Mannheim mit ihrem Sohn Gad).
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