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Frühlingsbegeisterung in „Lenzwon-  Um wieder mehr Musik praktizieren
        ne“. Sein vokalmusikalisches Scha+ en   zu können, trat Pache 1889 in Lim-
        ging jedoch weit darüber hinaus.    bach eine Stelle als Kantor und Orga-
        Neben Frauen- und gemischten        nist an. Er führte in den wenigen ihm
        Chören gehörten dazu auch Sologe-   verbleibenden Jahren den Kirchen-
        sänge und Duette. Für gemischten    chor zu hoher Blüte und gilt als Be-
        Chor vertonte Pache „Wohlauf, es    gründer der traditionsreichen Limba-
        ru*  der Sonnenschein“ von Ludwig   cher Kirchenmusik. Hier entstanden
        Tieck (op. 44). Zu den beliebtesten   auch verschiedene kirchliche Kompo-
        Frauenchören zählten „Frau Holle“   sitionen, darunter op. 183 „Nocturne"
        (op. 135) als Kupplerin, mit einem   für Orgel. Höhepunkt der Limbacher
        Text von Otto Hausmann, und die     Tätigkeit war die Au+ ührung seines
        märchenha* e „Frau Sage“ mit einem   150. Werkes, des Oratoriums „Ka-
        Text von Frieda Schanz. Seine durch-  pernaum“ mit einem Text von Diakon
        aus nationalpatriotische Gesinnung   Bernhard Dinter, anlässlich seines 35.
        wurde deutlich in „Niederwaldfahrt“   Geburtstages. Die Au+ ührung wurde
        und v. a. in „Die Germanenschlacht“   zu einem großen Erfolg – das Werk
        (op. 106); diesen Chor widmete Pache  blieb aber ungedruckt. In seinen
        dem Universitäts-Sängerverein zu St.   letzten Jahren plante Pache auch eine
        Pauli in Leipzig und dessen Diri-   Oper mit den Hauptpersonen Goethe
        genten Hermann Kretzschmar. Das     und Friderike von Sesenheim; Anton
        bedeutendste Einzelwerk Paches war   Ohorn hatte schon begonnen, dafür
        sicher seine Oper „Tobias Schwalbe“   ein Textbuch zu schreiben. Der frühe
        mit einem Text von ihm selbst nach   Tod des Komponisten verhinderte
        „Der Nachtwächter“ von /  eodor     schließlich die Fertigstellung und der
        Körner. Zu den Höhepunkten seines   Sto+  wurde später von Franz Lehar in
        instrumentalmusikalischen Scha+ ens   der Operette „Friderike“ behandelt.
        zählten Duette für zwei Violinen,
        Streichquartette, eine Suite für Klavier  In seinem kurzen Leben schuf Pache
        und Violine sowie Bearbeitungen     eine Vielzahl von Kompositionen, die
        von auserlesenen Vortragsstücken    seinerzeit sehr erfolgreich waren. Das
        berühmter Meister wie Bach, Händel,   Gesamtwerk reicht bis op. 185. In vie-
        Haydn für Harmonium, darunter von   len Werken widerspiegelte sich sein
        Ludwig van Beethoven: Larghetto aus   volkstümliches und lebensbejahendes
        der 2. Sinfonie D-Dur op. 36, Andan-  Wesen. Wirtscha* lichen Zwängen
        te aus der Sonate op. 26 und Andante   folgend entstanden auch „leichte“
        aus der Sonate F-Moll op. 57 (Beetho-  Musikstücke, die dem damaligen
        ven-Haus Bonn).                     Zeitgeist entsprachen. Dazu zählten
                                            unterhaltsame Salonstücke unter dem
                                            falschen Namen Johannes Gerdessen

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