Page 197 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
P. 197
Lier, Heinrich Adolf
Professor, Landscha* smaler
21.05.1826 Herrnhut – 30.09.1882 Vahrn bei Brixen
V: August Ludwig (1779–1847), Goldschmied, Inhaber einer Kolonialwarenhandlung; M: Chris-
tiane Sophie (*1789 Herrnhut, †1863); G: Louise (heiratete 1846 den Apotheker Otto Bernhard
Kinne), Hermann Gustav (übernahm 1854 das Familiengeschä* ); E: September 1858 München,
Rosalie geb. Hofmann (Kinderp# egerin der späteren bayerischen Könige Ludwig und Otto); K:
1 Adoptivtochter, Pauline Hofmann (*1871 Glasgow, † nach 1928, Tochter von Liers Schwager
Peter Hofmann, Mitbesitzer einer Lithographieanstalt, Pianistin, verh. Mennacher)
Schon als Kind begeisterte sich Lier 1945). Als Lier 1846 bei einer aka-
für das Zeichnen und illustrierte seine demischen Kunstausstellung für den
Schulbücher. Mit 11 Jah ren wurde „Entwurf zu einem herrscha* lichen,
er auf die Knabenerziehungsanstalt an einem Strom gelegenen Wohnge-
der Herrnhuter Brüdergemeine nach bäude“ mit einer kleinen silbernen
Niesky geschickt. Auch hier fanden Medaille ausgezeichnet wurde, fand
seine Zeichnungen nicht immer er Aufnahme im Atelier von Gott-
ungeteilten Beifall ob der Orte, wo er fried Semper an der Kunstakademie
sie anbrachte. Noch verstärkt wur- und der Weg zum Architekten schien
de seine Neigung zur Kunst durch vorgezeichnet. Kurz nach dem Tod
Besuche bei einer Tante in Dresden. seines Vaters im Jahre 1847 erhielt
Stundenlang verweilte Lier in der Ge- Lier das Angebot, in Basel unter
mäldegalerie, tief beeindruckt wollte Leitung von Melchior Berri am dor-
er selbst Maler werden. Seinen Vater tigen Museumsbau mitzuwirken. Zu
konnte er davon aber nicht überzeu- seinen P# ichten gehörte der Entwurf
gen, denn der machte sich Sorgen um der Decken. In Basel begeisterte sich
die % nanzielle Zukun* des Sohnes. Lier für die Revolution. Er schloss
Lier wurde 1840 auf die Baugewer- sich Friedrich Hecker auf dessen
kenschule in Zittau geschickt, wo er bewa+ netem Frei schaarenzug an, um
auch das Maurerhandwerk erlern- in Karlsruhe die badische Regierung
te. Ein Arbeitsunfall beim Bau des zu stürzen. Nach der Niederlage der
Rathauses hätte ihn fast das Leben Revolution entdeckte Lier seine Liebe
gekostet. 1844 wechselte er auf die zur Malerei wieder, wobei er von Carl
Dresdner Baugewerkenschule unter Adolf Mende und Karl Eduard Sü+ ert
Gustav Heine, die lose der Techni- unterstützt wurde, der ihn 1849 nach
schen Bildungsanstalt angegliedert München empfahl. Hier lernte Lier an
war. Sie wurde später abgetrennt der Privatschule von Johann Baptist
(1873) und als Ingenieurschule der Berdellé Köpfe und Akte zeichnen.
Zittauer Einrichtung unterstellt (nach Entscheidende Anregungen vermit-
197

