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Lier, Heinrich Adolf


        Professor, Landscha* smaler
        21.05.1826 Herrnhut – 30.09.1882 Vahrn bei Brixen

        V: August Ludwig (1779–1847), Goldschmied, Inhaber einer Kolonialwarenhandlung; M: Chris-
        tiane Sophie (*1789 Herrnhut, †1863); G: Louise (heiratete 1846 den Apotheker Otto Bernhard
        Kinne), Hermann Gustav (übernahm 1854 das Familiengeschä* ); E: September 1858 München,
        Rosalie geb. Hofmann (Kinderp# egerin der späteren bayerischen Könige Ludwig und Otto); K:
        1 Adoptivtochter, Pauline Hofmann (*1871 Glasgow, † nach 1928, Tochter von Liers Schwager
        Peter Hofmann, Mitbesitzer einer Lithographieanstalt, Pianistin, verh. Mennacher)
        Schon als Kind begeisterte sich Lier   1945). Als Lier 1846 bei einer aka-
        für das Zeichnen und illustrierte seine  demischen Kunstausstellung für den
        Schulbücher. Mit 11 Jah ren wurde   „Entwurf zu einem herrscha* lichen,
        er auf die Knabenerziehungsanstalt   an einem Strom gelegenen Wohnge-
        der Herrnhuter Brüdergemeine nach   bäude“ mit einer kleinen silbernen
        Niesky geschickt. Auch hier fanden   Medaille ausgezeichnet wurde, fand
        seine Zeichnungen nicht immer       er Aufnahme im Atelier von Gott-
        ungeteilten Beifall ob der Orte, wo er   fried Semper an der Kunstakademie
        sie anbrachte. Noch verstärkt wur-  und der Weg zum Architekten schien
        de seine Neigung zur Kunst durch    vorgezeichnet. Kurz nach dem Tod
        Besuche bei einer Tante in Dresden.   seines Vaters im Jahre 1847 erhielt
        Stundenlang verweilte Lier in der Ge-  Lier das Angebot, in Basel unter
        mäldegalerie, tief beeindruckt wollte   Leitung von Melchior Berri am dor-
        er selbst Maler werden. Seinen Vater   tigen Museumsbau mitzuwirken. Zu
        konnte er davon aber nicht überzeu-  seinen P# ichten gehörte der Entwurf
        gen, denn der machte sich Sorgen um   der Decken. In Basel begeisterte sich
        die % nanzielle Zukun*  des Sohnes.   Lier für die Revolution. Er schloss
        Lier wurde 1840 auf die Baugewer-   sich Friedrich Hecker auf dessen
        kenschule in Zittau geschickt, wo er   bewa+ netem Frei schaarenzug an, um
        auch das Maurerhandwerk erlern-     in Karlsruhe die badische Regierung
        te. Ein Arbeitsunfall beim Bau des   zu stürzen. Nach der Niederlage der
        Rathauses hätte ihn fast das Leben   Revolution entdeckte Lier seine Liebe
        gekostet. 1844 wechselte er auf die   zur Malerei wieder, wobei er von Carl
        Dresdner Baugewerkenschule unter    Adolf Mende und Karl Eduard Sü+ ert
        Gustav Heine, die lose der Techni-  unterstützt wurde, der ihn 1849 nach
        schen Bildungsanstalt angegliedert   München empfahl. Hier lernte Lier an
        war. Sie wurde später abgetrennt    der Privatschule von Johann Baptist
        (1873) und als Ingenieurschule der   Berdellé Köpfe und Akte zeichnen.
        Zittauer Einrichtung unterstellt (nach   Entscheidende Anregungen vermit-

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