Page 183 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
P. 183

1765 wechselte Klotz als Hofrat und   Bischofswerda geborenen Karl Fried-
        Professor für Philosophie und Be-   rich Bahrdt (1769).
        redsamkeit nach Halle. Sein Schüler
        Johann Georg Meusel folgte ihm.     Klotz war Mitglied der Kaiserlichen
        Im selben Jahr kam der Historiker   Königlichen Kupferstecher-Gesell-
        Carl Renatus Hausen nach Halle, den   scha*  zu Wien, der Kaiserlichen
        Klotz schon seit seiner Leipziger Zeit   Akademie zu Roveredo, der Kurfürst-
        kannte. In Halle förderte er Friedrich   lichen Mainzischen Akademie der
        Justus Riedel und freundete sich mit   Wissenscha* en, des historischen In-
        dem Laubaner Gottlob Benedikt von   stituts zu Göttingen, der lateinischen
        Schirach an. Zu seinen eifrigsten An-  Gesellscha* en zu Jena und Baden, der
        hängern zählten auch Johann Georg   Physikalisch-Ökonomischen Bienen-
        Jacobi, später erster protestantischer   gesellscha*  in der Oberlausitz und
        Professor in Freiburg, und der Dich-  der deutschen Gesellscha*  in Altdorf
        ter Gottfried August Bürger. Fried-  sowie Kanonikus des Sti* s Wurzen.
        rich der Große ernannte ihn zum     Er war vielseitig belesen und schrieb
        jüngsten preußischen Geheimrat,     zu den unterschiedlichsten /  emen in
        als Klotz einen Ruf von Stanislaus II.   Literatur, Geschichte, Religion, Kunst
        August Poniatowski nach Warschau    und Philologie. Klotz zählte zu den
        ablehnte. Die von ihm geforderte Mit-  bekanntesten Autoren der Epoche
        Berufung von Carl Renatus Hausen    von „Au¤  lärung“ und „Sturm und
        war zunächst bestätigt worden, doch   Drang“. Er war rhetorisch begabt
        schließlich verzichtete Klotz selbst.   und scharte mit seiner Eloquenz eine
        Später entzweiten sie sich, weil Klotz   breite Anhängerscha*  um sich. Klotz
        Hausen zunehmend misstraute. Ab     gab die seinerzeit bedeutenden litera-
        1768 leitete Klotz auch die Universi-  rischen Zeitschri* en „Acta litteraria“,
        tätsbibliothek.                     „Deutsche Bibliothek der schönen
                                            Wissenscha* en“ und „Neue hallische
        Klotz war seit 1763 Mitglied der    gelehrte Zeitungen“ heraus. Er gilt
        „Akademie der gemeinnützigen Wis-   zudem als der bedeutendste Dichter
        senscha* en“ in Erfurt. Als der zustän-  in lateinischer Sprache seines Jahr-
        dige (katholische) Mainzer Erzbischof  hunderts. In der posthum gedruckten
        Emmerich Joseph von Breidbach zu    Sammlung „Briefe deutscher Gelehr-
        Bürresheim Ende der 1760er Jahre die  ten an den Herrn Geheimen Rath
        in die Krise geratene Erfurter Univer-  Klotz“ wird deutlich, welch große
        sität reformieren wollte, beau* ragte   Anerkennung Klotz zeitweise genoss.
        er damit den Protestanten Klotz. Der
        holte neben Christoph Martin Wie-   Mit seinem Ruhm wuchsen jedoch
        land und Friedrich Justus Riedel auch   auch der Anspruch von Klotz, sich zu
        den skandalumwitterten, ebenfalls in   allen /  emen seiner Zeit zu äußern,

                                                                           183
   178   179   180   181   182   183   184   185   186   187   188