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ein. Der bereits aus Preußen vertrie- Anstalten unter Führung karitativer
bene Arnold Ruge verließ nach der Vereine. 1853 wurden für die Ober-
Beschlagnahme einer Ausgabe seiner lausitz in Berthelsdorf für Mädchen
„Deutschen Jahrbücher für Wissen- und von Nostitz in Oppach für etwa
scha* und Kunst“ 1843 Sachsen und 20 Jungen solche Rettungshäuser
schloss sich in Paris mit Karl Marx gegründet. Der Gründung in Oppach
zusammen. Sein Mitarbeiter Michail voraus ging 1852 ein Vortrag von
Bakunin ging nach Zürich. Nostitz über „Rettungsanstalten für
arme verwahrloste Kinder insbe-
Aus gesundheitlichen Gründen legte sondere auf dem Lande“ vor einer
Nostitz 1844 sein Ministeramt nieder Oppacher Gemeindeversammlung.
und zog sich auf sein Gut Oppach Neben Spenden, beispielsweise von
zurück. Bis 1847 gehörte er dem K?@_ T@?T[]^^ K?>K[ und in
Staatsrat an, bis 1850 war er Richter Dresden von Gustav von Flotow,
am Staatsgerichtshof. Die Familie war # ossen in den Fonds auch Einnahmen
von dieser revolutionären Zeit unmit- aus dem Druck jenes Vortrags sowie
telbar betro+ en. Nostitz‘ Nichte Julie, weiterer Schri* en wie des von Nos-
eine Tochter seiner Schwester Elise, titz herausgegebenen dichterischen
und ihr Mann, Miklos Josika, waren Nachlasses seiner Schwester Klothil-
als Revolutionäre 1849 aus Ungarn de Septimie. Nach dem Vorbild des
ge# ohen, fanden aber nur kurzzeitig Rauhe-Hauses in Hamburg wurden
Aufnahme in Sachsen und emigrier- drei Grundsätze verfolgt: Erziehung
ten schließlich nach Brüssel. im Familienleben, zur Religiosität
und Sittlichkeit und zur Arbeit. Das
Um das Schicksal verwahrloster Rettungshaus in Oppach strahlte eine
Kinder zu lindern, entstand im 19. große Vorbildwirkung in die Umge-
Jahrhundert deutschlandweit eine bung aus. Von den 26 evangelischen
„Rettungshausbewegung“. Bereits in Rettungshäusern Sachsens im Jahre
seiner Zeit als Minister in Dresden 1895 lagen allein 7 in der Oberlausitz,
war Nostitz mit dieser christlich- neben Oppach und Berthelsdorf jene
sozialen Bewegung in Berührung ge- in Zittau, Göda, Dittelsdorf, Elstra
kommen, als im Rahmen der Verant- und Neukirch.
wortlichkeiten Lindenaus innerhalb
des Ressorts „Inneres“ beispielsweise Nostitz war Kanoniker des Kollegiat-
Bräunsdorf und Großhennersdorf sti* s in Wurzen (ab 1810), Domherr
als Rettungshäuser genutzt wurden. und Senior des Hochsti* s zu Meißen
Neben diesen staatlich organisierten (ab 1828) und Propst des Domcapi-
Einrichtungen entstanden in Sachsen tularkollegiums St. Petri in Bautzen
ab 1850 in Stollberg, Lößnitz, Riesa, (ab 1841). Das Hochsti* Meißen
Waldkirchen und Schwarzenberg vertrat er Anfang der 1830er und in
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