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um die Förderung der Sorben und     Anstalten verordnete Commission“.
        übersetzte sorbische Volkslieder ins   1811 initiierte er die Gründung
        Deutsche. Seine eigenen Gedichte,   einer „Irren-Heilungsanstalt“ auf der
        aber auch heimatgeschichtliche Bei-  vormals königlichen Festung Sonnen-
        träge („Über die in Königswartha ent-  stein in Pirna. In ihr gingen frühere
        deckten Lausizischen Alterthümer“)   sächsische Anstalten in Waldheim
        wurden in der „Lausizischen Monats-  und Torgau auf, in denen wesent-
        schri* “ gedruckt, mehrere Gedichte   lich weniger humane Bedingungen
        in Liedertafeln und Oratorien vertont.  geherrscht hatten. Die Entscheidung
        Aus dem Französischen übersetzte er   war aber auch kriegsbedingt, weil
        griechische und römische Mythen.    Torgau zur Festung erklärt worden
        1805 zählte Nostitz zu den Grün-    war. Insgesamt wurden in der An-
        dungsmitgliedern des Gesellscha* s-  fangszeit etwa 200 Personen auf dem
        vereins „Bautzner Societät“, die 1808   Sonnenstein untergebracht. Unter
        sein Stadthaus kau* e.              Nostitz‘ Oberaufsicht entwickelte sich
                                            die neue Anstalt zu einer Einrichtung
        Am 26. September 1807 kehrte        von europäischem Ruf. Während der
        Nostitz als Oberkonsistorialpräsident   Befreiungskriege ging Nostitz auf
        nach Dresden zurück, wo er bis 1815   Distanz zu Napoleon, den er zuvor
        im Coselpalais „Hinter der Frauen-  unterstützt hatte. Sein Sohn E|T?@|
        kirche“ 5 wohnte, wie auch K?@_     G]^^_]{ <]> N]X^K^™ T>| Jš>-
        AT[TX^ B^^K[=@. In dieser für das   ‚=>|]@€ kämp* e sogar mit /  eodor
        Kirchen- und Schulwesen Sachsens    Körner in der Lützow‘schen Freischar.
        bedeutsamen Funktion überarbeitete
        er zusammen mit Oberhofprediger     Im nach-napoleonischen Reformstreit
        Franz Volkmar Reinhard die Verfas-  1817 unterlagen die Konferenzmi-
        sung der Universität Leipzig. König   nister dem Kabinettsminister Detlev
        Friedrich August der Gerechte berief   Graf von Einsiedel. Statt dass das
        ihn 1809 als Konferenzminister ins   Geheime Konsilium mit dem Gehei-
        Geheime Konsilium, den vormaligen   men Kabinett vereinigt und damit
        und später auch wieder so genann-   aufgewertet wurde, verblieben dem
        ten Geheimen Rat. Als „Wirklicher   Geheimen Rat als Nachfolgeeinrich-
        Geheimrath“ gehörte Nostitz zu den   tung des Konsiliums nur beratende
        höchsten Vertretern der Staatsver-  Funktionen und die Vertretung
        waltung. Er beteiligte sich in ver-  ständischer Interessen. Zudem hatte
        schiedenen Funktionen bzw. Kom-     sich Einsiedel mittels Gefolgsleuten
        missionen maßgeblich an sozialen    die Stimmenmehrheit im Ratscol-
        und politischen Reformprojekten.    legium gesichert. Nostitz organi-
        Nostitz leitete die „zur Besorgung der   sierte Entschädigungsleistungen für
        allgemeinen Straf- und Versorgungs-  Lasten aus dem Krieg, bereitete eine

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