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Stöckhardt (1721–1788). Dieser war   Franz Georg Lock zusammen. Im
        ebenfalls nach seinem Studium in    Dom St. Petri wurden während des
        Leipzig zunächst beim Grafen von    napoleonischen Kriegs 1813 Verletzte
        Schönburg Hauslehrer, und er war    versorgt und Kriegsgefangene festge-
        gleichfalls schri* stellerisch tätig. Mit   halten. Stöckhardt half wiederholt als
        den Schönburgs hielt sich Gerhard   Dolmetscher. Anlässlich der Feier zu
        Heinrich Jacobjan Stöckhardt o*     seiner 25-jährigen Amtseinführung
        in Dresden auf und er nutzte diese   im Jahre 1824 wurde seine „Begeis-
        Gelegenheiten, um seine Italienisch-  terung für alles Heilige auf dem Weg
        Kenntnisse zu vertiefen. Zudem      durchs irdische Leben“ hervorgeho-
        wurde er häu% g mit der Korrespon-  ben. Stöckhardt erwarb sich große
        denz des Grafen in Französisch und   Verdienste um seine Gemeinde mit
        Englisch betraut. Zu Schönburgs en-  der Ausarbeitung des neuen Gesang-
        gen Bekannten gehörte dessen vorma-  buches („Sammlung alter und neuer
        liger Hofmeister Christian Gottfried   geistlicher Lieder“, 1826) und um den
        Körner. Vermutlich durch Schönburg   theologischen Nachwuchs mit der
        und Körner kam Stöckhardt erstmals   Einrichtung einer „Uebungsanstalt
        mit der Freimaurerei in Berührung.   in theologischen Wissenscha* en“ für
        In dieser Zeit erwarb er sich mit   die Mitglieder des Predigerkollegiums
        der Herausgabe und sachkundigen     im Bautzener Bezirk (1828): „...mit
        Kommentierung italienischer Lesebü-  einem zweckmässigen Plane zur Er-
        cher von Giovanni Boccaccio („Scelta   richtung solcher Anstalten, wodurch
        delle migliori novelle di Boccaccio   die Candidaten des Predigtamtes in
        con annotazione“, 1794) und Ludovi-  der Oberl. zur Führung geistlicher
        co Ariosto („Le commedie in prosa,   Aemter zweckmässig vorbereitet wer-
        l‘erbolato e le lettere di Lodovico   den können ...“. Dem Magistrat der
        Ariosto“, 1798) einen Namen als     Stadt Bautzen diente Stöckhardt um
        Philologe. 1799 wurde Stöckhardt    1829 als geistlicher Schulinspektor.
        zum Archidiakonus in Glauchau und
        Pastor an die Filialkirche in Gesau   Eine bedeutende Rolle in Stöckhardts
        bestellt.                           Leben spielte die Freimaurer-Loge
                                            „Zur goldnen Mauer“. Sie war 1802
        Im Jahre 1804 kehrte Stöckhardt als   auch als Bildungsstätte für das auf-
        Pastor Secundarius und Mittagspredi-  strebende Bautzener Bürgertum vom
        ger an der Hauptkirche St. Petri nach   damaligen Rektor des Gymnasiums,
        Bautzen zurück. Pastor Primarius    LT|˜K[ G=|K‚=, gegründet worden.
        war hier Friedrich Wilhelm Janson   Die Logenbrüder bemühten sich stets
        Sartorius. Vertrauensvoll arbeitete   um das Allgemeinwohl; sie waren
        Stöckhardt an der Simultankirche St.   mildtätig und gründeten ein Privat-
        Petri mit dem katholischen Bischof   seminar zur Ausbildung von Volks-

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