Page 332 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
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Au¤  lärung. Böttiger lehrte Stöck-  ger und der aus Kamenz stammende
        hardt die englische Sprache. In dieser   Johann Friedrich Burscher in der
        Zeit erwachte auch sein Inte resse an   /  eologie. Stöckhardt schloss sich
        allem Italienischen. Die Anregungen   der „Societas Philologica Lipsiensis“
        dazu erhielt er von Johann Gottlieb   von Christian Daniel Beck an, wo er
        Cober, von 1762 bis 1792 Konrektor   K?@_ G]^^€@K=| SK={=_KX kennen-
        in Bautzen. Cober war als vormaliger   lernte. Durch seinen Vater geprägt,
        Hauslehrer noch lange in Verbin-    der selbst noch in sorbischer Sprache
        dung zum ehemaligen sächsischen     gepredigt hatte, gehörte Stöck hardt
        Gesandten in Rom Johann Ludwig      der Lausitzer Predigergesellscha*  als
        Graf von Bianconi geblieben und galt   außerordentliches Mitglied an. 1793
        als ausgewiesener Philologe. Für ihn   verteidigte er seine Magisterarbeit
        verfasste Stöckhardt 1797 den Nach-  „Commentatione de poësi cum philo-
        ruf „Canzone alla morte di Cobero“.   sophia arctissime coniuncta“ bei Karl
        Für seine schulischen Leistungen    August Gottlieb Keil. Anschließend
        erhielt Stöckhardt eine Ratsmedaille.   wollte sich Stöckhardt als Privatdo-
        Mit Friedrich Wilhelm Ehrenfried    zent für Philosophie, Philologie und
        Rost, Philosophieprofessor in Leipzig   Kunsttheorie habilitieren. Zudem
        und Sohn des Bautzener Schulrektors,  predigte er an der /  omaskirche und
        blieb er auch später noch in Kontakt,   der Paulinerkirche. Auch der damals
        ebenso mit Karl August Böttiger.    berühmte Literaturkritiker Giralomo
                                            Tiraboschi war schon auf ihn auf-
        Kurz nach dem Tod des Vaters im     merksam geworden. Sie korrespon-
        Jahre 1791 begann Stöckhardt sein   dierten regelmäßig und Tiraboschi
        Studium an der Universität Leipzig.   vermittelte 1793 Stöckhardts Aufnah-
        Durch Vermittlung des späteren      me in die „Societa de' Volschi“.
        Ministers von Burgsdor+  und seines
        Professors Christian Gottlieb Seyd-  1794 berief Graf Carl Heinrich von
        litz erhielt er dafür ein königliches   Schönburg auf Empfehlung Dindorfs
        Stipendium. Zu seinen Lehrern       Stöckhardt zum Privatlehrer der ein-
        zählten neben Seydlitz Ernst Platner,   zigen Tochter des Hauses, Renate Au-
        Karl Adolf Caesar und Karl Heinrich   guste Louise Henriette (1783–1859),
        Heydenreich aus Stolpen in der Phi-  nach Vorder-Glauchau/Wechselburg.
        losophie, Christoph Friedrich Loes-  Stöckhardt verzichtete darau—  in auf
        ner in der Philologie sowie Samuel   die Fortsetzung seiner universitären
        Friedrich Nathanel Morus, Gottlieb   Karriere. Sein Werdegang verlief
        Immanuel Dindorf, Karl August Gott-  damit ähnlich wie der eines Cousins
        lieb Keil, Christian Gottlieb Kühnöl,   seines Vaters, des fast 40 Jahre als
        Karl Christian Palmer, Johann Georg   Diakon in Glau chau und Pastor in
        Rosenmüller, Gottlieb Samuel Forbi-  Gesau wirkenden Gottfried Gerhard

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