Page 28 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
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wurde 1909 vom „Hilfsverein“ eine   kam zu Demonstrationen und Schul-
        Mittelschule gegründet. Hier sollten   boykotten, die bisherige Mittelschule
        die Schüler die Zugangsvoraussetzun-  des Vereins musste schließen.
        gen für die Hochschule erwerben. Mit
        der Fertigstellung des Technions war   Der Sprachenstreit wurde mit dem
        geplant, diese Schule in den Hoch-  Konzept einer „Hebrew Reali School“
        schulkomplex zu integrieren. 1913   beigelegt und Arthur Biram wurde
        eskalierte aber ein he* iger Sprachen-  anlässlich des Chanukka-Fests im De-
        streit. Der „Hilfsverein“ legte die   zember 1913 in sein Amt als Direktor
        Lehrsprachen pragmatisch fest. Die   der Reali eingeführt. Das „Technion“
        Schüler und Studenten, die aus den   nahm erst 1924 seinen Betrieb auf.
        verschiedensten Kulturen stammten,   Biram publizierte seine „Leitsätze für
        sollten sich untereinander, aber auch   die hebräische Realschule in Haifa“
        mit ihren türkischen und arabischen   am 3. Juli 1914 in „Die Welt“: „Wie
        Nachbarn unterhalten können und     alle Kinder sollen auch unsere Kinder
        mit Fremdsprachen auf ihre spätere   etwas wissen und was sie wissen, als
        Karriere vorbereitet werden. Weil   stets gegenwärtigen Besitz haben.
        man fortschrittliche, liberale Lehrme-
        thodiken aus Deutschland einführen
        wollte, sollten von dort auch Lehrer
        kommen; jene bevorzugten aber ihre
        Muttersprache. Zudem war Deutsch
        seinerzeit die führende Wissen-
        scha* ssprache, und der „Hilfsverein“
        war dem deutschen Kaiserreich auch
        politisch verp# ichtet. Aus Sicht des
        „Zionistischen Komitees“ lief dies den
        nationalen Ambitionen der Juden in
        Palästina zuwider. Man unterstellte
        dem „Hilfsverein“, deutschnationale
        Interessen durchsetzen und Hebräisch
        zum Unterrichtsfach degradieren zu
        wollen. Die jüdische Bevölkerung
        Palästinas stammte nach den ersten
        Einwanderungswellen vorwiegend
        aus Osteuropa und war konservati-
        ver, von Pogromen in ihrer Heimat
        geprägt, als die eher liberalen, o*  aus
        idealistischen Gründen gekommenen
        Einwanderer aus Deutschland. Es     Arthur Biram beim Militär.

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