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wurde 1909 vom „Hilfsverein“ eine kam zu Demonstrationen und Schul-
Mittelschule gegründet. Hier sollten boykotten, die bisherige Mittelschule
die Schüler die Zugangsvoraussetzun- des Vereins musste schließen.
gen für die Hochschule erwerben. Mit
der Fertigstellung des Technions war Der Sprachenstreit wurde mit dem
geplant, diese Schule in den Hoch- Konzept einer „Hebrew Reali School“
schulkomplex zu integrieren. 1913 beigelegt und Arthur Biram wurde
eskalierte aber ein he* iger Sprachen- anlässlich des Chanukka-Fests im De-
streit. Der „Hilfsverein“ legte die zember 1913 in sein Amt als Direktor
Lehrsprachen pragmatisch fest. Die der Reali eingeführt. Das „Technion“
Schüler und Studenten, die aus den nahm erst 1924 seinen Betrieb auf.
verschiedensten Kulturen stammten, Biram publizierte seine „Leitsätze für
sollten sich untereinander, aber auch die hebräische Realschule in Haifa“
mit ihren türkischen und arabischen am 3. Juli 1914 in „Die Welt“: „Wie
Nachbarn unterhalten können und alle Kinder sollen auch unsere Kinder
mit Fremdsprachen auf ihre spätere etwas wissen und was sie wissen, als
Karriere vorbereitet werden. Weil stets gegenwärtigen Besitz haben.
man fortschrittliche, liberale Lehrme-
thodiken aus Deutschland einführen
wollte, sollten von dort auch Lehrer
kommen; jene bevorzugten aber ihre
Muttersprache. Zudem war Deutsch
seinerzeit die führende Wissen-
scha* ssprache, und der „Hilfsverein“
war dem deutschen Kaiserreich auch
politisch verp# ichtet. Aus Sicht des
„Zionistischen Komitees“ lief dies den
nationalen Ambitionen der Juden in
Palästina zuwider. Man unterstellte
dem „Hilfsverein“, deutschnationale
Interessen durchsetzen und Hebräisch
zum Unterrichtsfach degradieren zu
wollen. Die jüdische Bevölkerung
Palästinas stammte nach den ersten
Einwanderungswellen vorwiegend
aus Osteuropa und war konservati-
ver, von Pogromen in ihrer Heimat
geprägt, als die eher liberalen, o* aus
idealistischen Gründen gekommenen
Einwanderer aus Deutschland. Es Arthur Biram beim Militär.
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