Page 205 - Lebensbilder_aus_der_Oberlausitz
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dens stand der Sti* ungsverwaltung   Dresdner Anzeiger eigene Korrespon-
        vor. Beutler amtierte von 1895 bis   denten. Zu den berühmtesten Mit-
        1915. Zu den wichtigsten Projekten   arbeitern zählte Ludwig Munzinger
        während Liers Zeit als Chefredakteur   (London, 1911).
        gehörte neben der Fortführung des
        sozialen Engagements (Bürgerheim,   Der sächsische König verlieh Lier
        Güntzheim, Maternispital) der Bau   1906 anlässlich des 50. Jahrestages
        des Neuen Rathauses bis 1910, an    der Gründung der Dr. Güntz‘schen
        dem sich die Sti* ung mit 600.000   Sti* ung den Professorentitel. Lier
        Mark beteiligte.                    leitete den Landesverband der säch-
                                            sischen Presse und war Vorstands-
        Der Dresdner Anzeiger unter Lier    mitglied des Reichsverbandes. Dem
        engagierte sich in besonderer Weise   reform orientierten „Verein Bildender
        für die im neu erbauten Ausstel-    Künstler Dresdens“ gehörte er wie
        lungspalast statt% ndenden Groß-    sein Bruder H=@~?>> A@^qT@ LK=@
        Ausstellungen. Die Erste Deutsche   als außerordentliches Mitglied an.
        Städte-Ausstellung 1903 wie auch die
        Internationale Hygieneausstellung   Der Dresdner Anzeiger unterstütz-
        1911 wurden nicht nur umfassend     te die deutsche Kolonialpolitik in
        journalistisch begleitet, sondern der   Südwestafrika. Als 1914 der Erste
        Dresdner Anzeiger unterhielt jeweils   Weltkrieg ausbrach, bediente auch der
        einen eigenen Pavillon. Lier entwi-  Dresdner Anzeiger die ganz Deutsch-
        ckelte aber auch das Zeitungskonzept   land erfassende patriotische Begeis-
        weiter. Sein Hauptaugenmerk galt    terung.
        der Politik. Lier bemühte sich um
        Überparteilichkeit. Er selbst schrieb   Quellen: Herbert Zeißig: „Eine deutsche
        als Chefredakteur meist nur in den   Zeitung. Zweihundert Jahre Dresdner An-
        „Wochenschauen“. Den Wirtscha* s-   zeiger“. Verlag der Dr. Güntzschen Sti* ung,
        teil baute er mit einer internationalen   1930; „Lier, Hermann Arthur“. Wer ist‘s?, Bd.
                                            5, Verlag von H.A. Ludwig Degener, 1910;
        Börsenberichterstattung aus. 1902   Siegfried Asche: „Lier, Adolf“. Neue Deutsche
        gewann er Professor Harry Gravelius   Biographie, Bd. 14, 1985, S. 535–536; Gerhard
        von der TH Dresden, um erstmals in   Kratzsch: „Kunstwart und Dürerbund. Ein
        Dresden zeitnahe Wettervorhersagen   Beitrag zur Geschichte der Gebildeten im
        anzubieten. In Berlin wurde 1905 eine   Zeitalter des Imperialismus“. Vandenhoeck
                                            u. Ruprecht, Göttingen 1969; Dirk Hempel:
        eigene Redaktion eingerichtet, um   „Literarische Vereine in Dresden. Kulturelle
        besser aus dem Reichstag berichten zu   Praxis und politische Orientierung des Bür-
        können. Auch die Auslandsberichter-  gertums im 19. Jahrhundert“. Walter de Gru-
        stattung wurde intensiviert. In Wien,   yter – Max Niemeyer Verlag, 2008; Deutsches
                                            Biographisches Jahrbuch, Bd. 2, 1917–1920;
        Paris, London, St. Petersburg, Rom   Leonhard Lier: „Studien zur Geschichte des
        und Konstantinopel verp# ichtete der   Nürnberger Fastnachtspiels“. Dissertation

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